Interview 8 – Carsten Pohl

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Michael Grassl
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Carsten Pohl
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Erdenstern

Carsten Pohl ist psychologischer Psychotherapeut, Cthulhu-Autor, Eskapodcast-Cast-Dauergast und Shadowrun-Sammler… und andere Systeme…
Wer, wenn nicht er könnte also vom Wahnsinn berichten?
Carsten erzählt von den Anfängen des Hobbys, der Faszination für den Wahnsinn und ob das überhaupt politisch korrekt so gesagt werden darf. Was ist am Spieltisch erlaubt? Was ist am Spieltisch möglich? und muss es überhaupt „authentisch“ sein?

3 thoughts on “Interview 8 – Carsten Pohl

  1. Spannende Folge!
    Ich habe jetzt schon einige Folgen gehört, aber bisher noch nicht getraut einen Kommentar zu schreiben haha. Versuchen wir es einfach mal 🙂
    Zur Folge:
    Ich persönlich habe auch eher schlechte Erfahrungen mit psychischen Störungen im Rollenspiel gehabt, daher habe ich mir für meine Gruppe angewöhnt, vorher mit allen abzusprechen, falls jemand eine psychische Störung darstellen möchte und das Konzept mit allen zu besprechen (das Konzept besprechen machen wir aber nicht nur bei psychischen Störungen sondern allgemein).
    Mein persönliches Problem mit der Darstellung von psychischen Störungen ist erstens, dass die Personen (und die Regelwerke, woran sich die Personen ja zum Teil orientieren), die psychischen Störungen häufig nicht richtig darstellen und es dann dazu kommt, dass es eine sehr heruntergebrochene, häufig falsche und abwertende/verletzende Darstellung kommt. Zweitens finde ich sehr problematisch, dass die Charakterkonzepte häufig ausschließlich auf die psychische Störungen zurückzuführen sind. Sprich die Personen müssen ihre psychische Störunge in jeder Sitzung in jeder Szene irgendwie darstellen, aber auch Menschen mit psychischen Störungen sind immer noch Menschen und bestehen nicht nur aus ihrer psychischen Störung. Naja anyway als letztes Problem habe ich häufiger erlebt, dass die Charaktere (durch die psychischen Störungen) völlig irrational und unnachvollziehbar handeln. Ich hatte auch schon mit einigen Personen (IRL) von verschiedenen Störungesspektren zutun und in der Regel agieren die nicht völlig irrational (+ selbst wenn z.B. in einer psychotischen Phase es mal dazu kommt, dass man als nicht betroffene Person das nicht nachvollziehen kann, ist es nicht 90% der Zeit von den Personen).

    Zu der Psychopathie und Soziopathie Debatte möchte ich auch noch einmal etwas hinzufügen.
    Vielleicht erstmal eine Einordnung nach Hare und Babiek (2006): Psychopathie bedeutet, dass Personen keine Empathie oder Sinn für Moral haben. Soziopathie dagegen bedeutet, dass Personen einen klaren Sinn für Moral und ein Gewissen haben. Diese Moral/Gewissen unterscheidet sich allerdings von der Kultur („parent culture“).
    Allerdings muss man direkt an der Stelle sagen, dass das Konzept der Psychopathie (wenn man nicht die klinische Störung dissoziale Persönlichkeitsstörung als äquivalent verwendet), aus der dunkeln Triade von Paulhus und Williams (2002) zurückgeht. Hier sieht man allerdings in der aktuellen Forschung, dass diese drei Teilung (Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus) empirisch nicht sonderlich gut gefunden werden kann. Gerade die Untersuchungen auf die ihr euch bezogen habt, wo man Personen in Führungspositionen als „Psychopathen“ entdeckt hat, basieren auf Fragebögen der dunklen Triade, die aber wie oben bereits gesagt einfach nicht sonderlich gut funktionieren. Es gibt erstens einige psychometrische Probleme mit dem Fragebogen und deren Analysen (häufig auftretende Anomalien, schlechte Items, z.T. schlechte Messinvarianz usw) und zweitens findet man sehr unterschiedliche
    Modellierungen, die sich zum Teil widersprechen. Wie dem auch sei, ich wollte damit nur darauf hinweisen, dass man diese Erkenntnisse mit Vorsicht betrachten sollte – nichtsdestotrotz für das Rollenspiel als Charakterkonzepte z.B. für einen Johnson finde ich sie trotzdem gut geeignet. Im Rollenspiel will man schließlich interessante und nicht unbedingt realistische Charaktere spielen, daher finde ich, dass man sich an allen Dingen orientieren kann, die eine spannende Geschichte ermöglichen!

    1. Hey Dennis und willkommen in dieser Ecke des WWW!
      Schön, dass du zu uns gefunden hast. Ich freue mich immer, wenn ich meine Hörer/Zuschauer/Leser kennenlernen kann.

      Das mit deinem ersten Kommentar hast du doch ganz gut hinbekommen, finde ich. Danke auch für deine Klarstellung (Einordnung). Darf ich dem entnehmen, dass du da auch nicht fachfremd bist?

      Grüße, Micha

      1. Ja genau – ich bin in der psychologischen Forschung 🙂
        Ich freue mich schon auf die nächste Folge, die ich jetzt anfange zu hören!

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